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Schmerztherapie

Etwa 2/3 der erwachsenen Bevölkerung werden im Laufe ihres Lebens von akuten oder chronischen Rückenschmerzen betroffen. Ursächlich sind an erster Stelle degenerative Veränderungen (Arthrose) der Wirbelbogengelenke und des Zwischenwirbelraumes, sowie Diskushernien und Spinalkanalengen zu nennen. In der Diagnostik ist heute die Kernspintomographie, auch Magnetresonanztomographie (MRT) genannt die Methode der Wahl. Nach Ausschluss einer malignen Ursache ist zunächst ein konservatives therapeutisches Vorgehen gerechtfertigt. Kommt es darunter nicht zu einer Beschwerdebesserung soll die Indikation für eine minimal-invasive Therapie mit lokalen Infiltrationen gestellt werden. Historisch wurden diese Therapien von Nichtradiologen ohne Bildführung eingeführt. Studienergebnisse zeigen aber, dass durch die präzise bildgeführte Nadelplatzierung der Therapieerfolg deutlich verbessert und gleichzeitig die Komplikationsrate verringert werden kann. Schnittbildverfahren, wie die hochauflösende Computertomographie (CT) bieten eine exakte Visualisierung der Anatomie für die millimetergenaue Steuerung des Zuganges. Alle schmerztherapeutische Eingriffe an der Wirbelsäule werden unter sterilen Bedingungen in Bauchlage durchgeführt. Als Punktionsbesteck finden meist sehr dünne (22 G) Kanülen Verwendung.

Facettgelenksdenervation: bis zu 45% der Rückenschmerzen an der der Lendenwirbelsäule sind auf das sogenannte Facettgelenkssyndrom zurückzuführen. Eine weitere Ursache können Spondylolysen sein, d.h. Unterbrechungen im knöchernen Wirbelbogen. Die bildgesteuerte Schmerztherapie erfolgt durch Injektion eines Medikamentengemisches in die Gelenkkapsel oder an die vorbeiziehenden sensiblen Schmerzfasern. Man unterscheidet diagnostische und therapeutische Infiltrationen. Für die exakte Höhen- und Seitenlokalisation hat sich die sogenannte Stufendiagnostik bewährt – hierbei wird in mehreren Sitzungen, in unterschiedlichen Höhen und ggf seitengetrennt ein Lokalanästhetikum (2-4 mg Bupivacain 0.5% pro Segment) injiziert. Nach der exakten Segmentzuordnung folgt die therapeutische Infiltration – hierbei wird dem Lokalanästhetikum ein lang wirkendes Steroid (40 mg Volon A pro Segment) zugesetzt. Ziel der Therapie ist einerseits eine akute Schmerzlinderung zu erzielen, andererseits eine Chronifizierung der Beschwerden zu verhindern – der Teufelskreis zwischen Schmerz, Muskelverspannung, Fehlhaltung und Schmerzverstärkung muss unterbrochen werden. Ein unmittelbarer positiver Therapieeffekt wird in ca 80% erreicht, eine längerfristige, für ca 6 Monate in bis zu 68% der Fälle. Die besten Ergebnisse lassen sich durch eine Mehrfachtherapie erzielen – zB drei aufeinanderfolgende Therapien mit Abstand von einer Woche. Als nächster Schritt kann eine langfristige Beschwerdefreiheit durch die Facattgelenkskoagulation (thermoablative Methode) erzielt werden.

Periradikuläre Infiltration: die periradikuläre Therapie (PRT) ist indiziert bei radikulären Schmerzsymptomen und funktioniert ähnlich der zuvor genannten Facettgelenksinfiltration. Hierbei wird das Lokalanästhetikum oder das Lokalanästhetikum-Kortison-Gemisch in die direkte Nachbarschaft der jeweiligen Nervenwurzel in Höhe des Neuroforamens injiziert. Die Kontrolle in der Bildgebung ist unabdingbar um eine regelrechte Verteilung des Gemisches um die Nervenwurzel (periradikulär) zu dokumentieren und um eine unerwünschte Verteilung in den paravertebralen Plexus oder nach intrathekal auszuschliessen. Um einen langfristigen Erfolg zu sichern sollte die Therapie wiederholt werden - bis zu 4 Injektionen pro Seite und Lokalisation. Laut Studien konnte so in 75% der Patienten kann eine langfristige (im Durchschnitt 80 Monate) Schmerzreduktion erzielt werden. In 71% der Fälle konnte eine Operation im Beobachtungszeitraum von 28 Monaten umgangen werden.

 

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Ihr Ansprechpartner
PD Dr. med. Attila Kovács

PD Dr. med. Attila Kovács

Chefarzt Radiologie und Neuroradiologie

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