Bonn, 01.April 2015. PD Dr. med. Attila Kovàcs, Chefarzt der diagnostischen und
interventionellen Radiologie an der MediClin Robert Janker Klinik Bonn stellt das
Verfahren der unblutigen Therapie der Prostatavergrößerung mit Kügelchen vor.
Die gutartige Vergrößerung der Prostata, medizinisch benigne Prostatahyperplasie genannt ist eine häufige Erkrankung des älteren Mannes und betrifft jeden zweiten Mann jenseits der 50. Die vergrößerte Drüse drückt auf die Harnblase und engt die Harnröhre ein. Demzufolge entstehen typische Beschwerden beim Wasserlassen wie häufiger Harndrang, Harnstottern, unvollständige Entleerung der Harnblase und ein schwacher Harnstrahl. Diese Tag und Nacht auftretenden Beschwerden können das Leben stark beeinträchtigen. Sollte die medikamentöse Therapie nicht zum Erfolg füh-ren und die Prostataverkleinerung durch Gewebeentfernung (Transurethrale Prostata-resektion, TURP) nicht gewünscht sein besteht seit kurzem eine unblutige therapeuti-sche Alternative, die derzeit nur an ganz wenigen spezialisierten Krankenhäusern weltweit durchgeführt wird.
Das Verfahren heißt Prostataarterien-Embolisation und bezeichnet den gezielten Verschluss der Prostata versorgenden Gefäße mit Mikrokügelchen. Das Verfahren ist minimal-invasiv, das bedeutet es gibt lediglich einen zwei Millimeter kleinen Einstich in die Leiste. Weil der Eingriff schmerzfrei ist, wird er bei vollem Bewusstsein, in örtlicher Betäubung und ohne Vollnarkose durchgeführt. Somit besteht kein Narkoserisiko. Ein weiterer Vorteil ist, dass die mit der TURP vergesellschafteten Nebenwirkungen bei dem Embolisationsverfahren nicht auftreten können.
Die Embolisationstherapie ist keine Chemotherapie und keine Strahlentherapie.
Der Druck auf die Harnröhre schwindet meist nach wenigen Tagen, die Schrump-fung der Prostata wieder auf eine normale Größe stellt sich nach ungefähr vier Wochen ein.
Weitere Indikationen für die Prostataarterien-Embolisation sind bedrohliche und wie-derkehrende Blutungen bei Prostata- und Harnblasenkarzinomen, bei Cyc-lophosphamid- oder Strahlen-induzierter Zystitis oder nach transurethraler Prostatare-sektion. In diesen Fällen kann die Embolisation als Therapie der ersten Wahl angese-hen werden, weil sich meist dadurch invasivere Alternativen erübrigen.
Embolisationsverfahren sind bereits seit Jahren gut etablierte Verfahren in der Thera-pie von Geschwülsten in anderen Organen, wie z.B. der Leber. Seit wenigen Jahren findet diese wirkungsvolle und schonende Therapie auch bei den oben genannten Indi-kationen Einsatz. Nach Einschätzung der US-amerikanischen Kontrollbehörde für me-dizinische Verfahren (FDA) wird die Embolisation in den kommenden drei bis sieben Jahren zur Standard-Therapie bei der Prostatavergößerung avancieren.
Die Prostataarterien sind korkenzieherartig geschlängelte, sehr feine Gefäße. Sie sind im Bild rot umrandet. Diese Arterien werden bei der Embolisations-Therapie mit Mikro-kügelchen verschlossen. Die blauen Pfeile markieren den Spezialkatheter, die über die Leiste eingeführt wird. Über diesen Katheter werden die Mikrokügelchen zielgenau und präzise dosiert verabreicht.