Hochpräzisions-Bestrahlung von Hirntumoren und Hirnmetastasen
Bei der Bestrahlung von Hirntumoren bzw. Tochtergeschwülsten (Metastasen) von Tumoren anderer Organe, die sich im Gehirn angesiedelt haben, hat sich in den letzten Jahren die Hochpräzisions-Bestrahlung (stereotaktische Bestrahlung) als Standard etabliert.
Es handelt sich hier um eine hochpräzise Bestrahlungstechnik, bei der eine definierte Dosis an Röntgenstrahlen punktgenau in ein zuvor definiertes Zielgebiet eingebracht wird. Die Strahlenbelastung für das angrenzende gesunde Gewebe kann gering gehalten werden, umgekehrt ist die Strahlenkonzentration am Ort des Krankheitsgeschehens besonders hoch. Dadurch können die zur Behandlung von Hirntumoren notwendigen hohen Strahlendosen angewendet werden, ohne dass andere Bereiche des Gehirns allzu sehr geschädigt werden.
Die Bestrahlung ist so präzise, dass eine im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren mehrfach erhöhte Strahlendosis verabreicht werden kann. Damit erhöht sich die Wirksamkeit der Bestrahlung und die Chancen steigen, dass der Tumor sich verkleinert bzw. ganz zurückgeht. Wichtig ist auch, dass wieder aufgetretene Tumore mit diesen Verfahren nochmals wirksam bestrahlt werden können.
Wie funktioniert die stereotaktische Bestrahlung?
Der Erfolg einer Strahlentherapie hängt entscheidend davon ab, welche Strahlendosis den Tumor erreicht. Auf das umgebende gesunde Gewebe sollte möglichst wenig Strahlung fallen, damit es so wenig wie möglich in Mitleidenschaft gezogen wird. Je genauer also der Tumor von der Strahlung erfasst wird, desto höher kann die eingesetzte Strahlendosis sein, ohne dass folgenschwere Schäden im angrenzenden Gewebe entstehen. Die besondere Herausforderung bei der Bestrahlung von Hirntumoren und Hirnmetastasen besteht darin, dass diese sich oftmals in der Nähe empfindlicher Bereiche (z.B. Hirnstamm, Sehnerv) befinden. Die Bestrahlung, die mit hohen Dosen erfolgen muss, um wirksam zu sein, sollte deshalb so exakt wie möglich durchgeführt werden.
Bislang war bei der Radiotherapie im Hirnbereich nur der Einsatz kegelförmiger (konischer) Projektoren (Kollimatoren) zur Formung des Behandlungsstrahls möglich. Waren unregelmäßig geformte Gewebeveränderungen zu bestrahlen, mussten mehrere kreisförmige Dosen aufwändig kombiniert werden. Das hatte eine ungleichmäßige Bestrahlung zur Folge, bei der einzelne Bereiche überbestrahlt wurden und insgesamt eine höhere Dosis verabreicht werden musste. Bei der stereotaktischen Konvergenzbestrahlung können je nach Größe und Form der zu behandelnden Gewebeveränderung neben konischen Kollimatoren auch Multi-Lamellen-Kollimatoren eingesetzt werden. Mithilfe des Multi-Lamellen-Kollimators lassen sich kleine und unregelmäßig geformte Gewebeveränderungen flexibel von vielen Richtungen ansteuern, selbst wenn sie in der Nähe empfindlicher lebensnotwendiger Strukturen (z.B. Hirnstamm) liegen.
Behandlungsformen
Grundsätzlich sind zwei Bestrahlungsformen möglich:
- Die Einzeitbestrahlung (Radiochirurgie): Hierbei wird einmalig eine hohe Strahlendosis verabreicht, die das erkrankte Gewebe mittelfristig absterben lässt.
- Die fraktionierte stereotaktische Präzisionsbestrahlung: Hierbei wird die Gesamtdosis der Bestrahlung auf mehrere Sitzungen verteilt.